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Home - News - News 01-12/2009

 

 

Schnecken gegen Hungersnot - Nigerianische Expertin rät zum Verzehr von Weichtieren

Weinbergschnecke: Nicht nur in Frankreich eine Delikatesse (Foto: Joujou / pixelio.de)

Eine nigerianische Ernährungsberaterin rät ihren Landsleuten zum Verzehr von Landschnecken. Diese könnten eine geeignete Maßnahme gegen Unterernährung sein. Besonders Kinder könnten vom eisenreichen Nahrungsmittel profitieren. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin "International Journal of Food Safety, Nutrition and Public Health" publiziert.

Ukpong Udofia vom Department of Home Economics an der Universität Uyo hat den Nährwert der Schnecken genau untersucht und festgestellt, dass die Tiere reich an Proteinen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Eisen, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kupfer, Zink, den Vitaminen A, B6, B12, K und Folsäure sind. Zudem haben Schnecken höhere Werte der beiden Aminosäuren Arginin und Lysin als ein ganzes Ei. Der hohe Protein-, aber niedrige Fettgehalt machen die Schnecken zu einer gesunden alternativen Nahrung.

Hemmungen aufgrund von Tabugrenzen

"Gute Nährwerte machen ein Nahrungsmittel noch nicht zum Renner", meint die Ernährungsexpertin und Leiterin des futurefoodstudio, Hanni Rützler, im pressetext-Interview. Dass Frankreich eine lange Tradition habe, Schnecken zu servieren, sei eine "exotische Ausnahme". Mit dem neuen Trend zurück zu traditionellen und regionalen Spezialitäten könnte die Landschnecke tatsächlich reüssieren.

Ausschlaggebend für den Erfolg sei aber letztlich die Frage des Tabus, die zu einer Hürde beim Durchsetzen mancher Nahrungsmittel führe. "Wenn in verschiedenen afrikanischen Ländern, Schnecken am Speiseplan standen, könnte das zu einem Revival führen", so Rützler. Habe es dies allerdings nie gegeben, stoße der Verzehr von Schnecken möglicherweise an Tabugrenzen. Dass vereinzelt Gourmetköche in aller Welt Mahlzeiten aus exotischen Ausgangsprodukten zubereiten, habe für die Allgemeinbevölkerung meist nicht den Effekt des Türöffners.

Gutes Ergebnis im Testlauf

Udofia hat jungen Müttern und Kindern zwei verschiedene im Ofen gebackene Pasteten-Gerichte, eines mit den Landschnecken Archachatina marginata, ein zweites mit Rindfleisch zum Kosten gegeben. Die meisten bevorzugten das Gericht mit den Schnecken, berichtet die Ernährungsforscherin, die zudem die Mütter über den hohen Nährwert des Gerichts informierte.

Eisenmangel und zuwenig Proteine machen vor allem jungen Müttern und ihren Kindern in vielen Entwicklungsländern wie etwa Nigeria zu schaffen. Nach Berichten der WHO führen diese Mängel zu schweren gesundheitlichen Schäden. Eine Lösung dieser Probleme ist nicht in Sicht. Die einzige Hilfe wäre eine alternative eiweißreiche Nahrung.

Afrikanische Landschnecke als Schädling

Die Sorge, dass die Bestände der Landschnecke gefährdet sind, gibt es nicht. In den meisten afrikanischen Ländern ist die Schnecke weit verbreitet. Ökologen ist das Tier auch ein Begriff, denn die Achatschnecken - zu der auch A. marginata gehört - wurden von Gourmets in einige Länder importiert und entwickelten sich dort zur Landplage. Die bis zu zwölf Zentimeter großen Schnecken können bis zu fünf Jahre alt werden und legen im Jahr bis zu 2.000 Eier.

Die Schnecken sind Allesfresser, bevorzugen allerdings pflanzliche Nahrung. Die Tiere konnten sich überall auf der Welt etablieren, wo das Nahrungsangebot und die Witterungsbedingungen das Überleben ermöglichen. Inzwischen ist die Schnecke in den USA, in China, Taiwan, Brasilien, nahezu allen Inseln im Pazifik und im Indischen Ozean heimisch.

Quelle: pressetext austria (20.11.2009)


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